« « Jeder hat sein Päckchen zu tragen
Wie kommen die Anten in die Anden? » »
Die Sache mit dem -en
Am Ende eines Jahres blicken wir Menschen gerne zurück auf das ausklingende Jahr und wagen Prognosen für das kommende Jahr. Den Rückblick spare ich mir, aber ich habe einen Blick in meine Kristallkugel geworfen und verkünde hiermit: 2011 wird sprachlich das Jahr des -en.
Bitte -en nicht verwechseln mit „nen“, dem Anatol Stefanowitsch neulich im Sprachlog einen ausführlichen Beitrag widmete. Mir selbst ist „nen“ bisher gar nicht weiter aufgefallen. Dass Neutrum und Maskulinum angeglichen werden, nehme ich zwar immer häufiger auch in der geschriebenen Sprache wahr, aber eher in der Verkürzung von „einen“ zu „ein“ bei maskulinen Wörtern im Akkusativ (kürzlich gelesene Beispiele: „sie benötigen ein Partner“, „gib mir ein Korb“).
Auf der anderen Seite fallen mir in den Onlineausgaben von Zeitungen maskuline Wörter auf, die dort die schwache Dativendung -en erhalten, obwohl sie eigentlich stark dekliniert werden (zum Beispiel „dem Autoren“, „dem Regisseuren“ statt „dem Autor“, „dem Regisseur“). Das finde ich deshalb spannend, weil nur noch sehr wenige maskuline Substantive schwach dekliniert werden und der Trend zur Verkürzung geht, das heißt, die schwache Endung -en im Dativ und Akkusativ Singular wird gerne weggelassen. Umso bemerkenswerter finde ich, dass dennoch bei einigen Wörtern eine nach den bisherigen Grammatikregeln falsche Endung hinzugefügt wird. Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin und habe deshalb eine sehr simple Erklärung für dieses Phänomen des Hinzufügens. Ich vermute, dass -en gerne dann eingefügt wird, wenn sich jemand sprachlich besonders viel Mühe geben will, aber nur unklare Vorstellung von Deklination hat.
Und nun bin ich gespannt, ob ich 2011 noch Autoren und Regisseuren im Singular begegnen werde. Bis „einen“ auch offiziell verschwinden wird, werden vermutlich noch einige Jahre ins Land gehen.
Kommentare: (per RSS abonnieren)








In der Sprachwissenschaft nennt man das, wenn ich mich nicht irre, “hyperkorrekte Form”. Findet man auch oft bei Dialektsprechern, die sich um Hochdeutsch bemühen und dann Dinge sagen wie “Waschlapfen”. Weil sie gelernt haben, dass in ihrem Dialekt häufig “p” gesagt wird, wenn es korrekt “pf” hieße (“Pund” statt “Pfund”, z. B.). Wenn sie diese Regel dann auch bei Wörtern anwenden, in denen das “p” standardsprachlich richtig ist, kommt eine hyperkorrekte Form dabei heraus.
Ahh, danke für die Aufklärung. :-) Klingt sehr plausibel.
Deutsche Sprache muss man lebenslang lernen.
Es ist doch wundervoll, dass es die hyperkorrekte Form gibt, vor allem wenn sie von Dialektsprechern verwendet wird. In Comedy-Sendungen ist das immer wieder eine Quelle der Erheiterung. Gerhard Polt Stücke leben ein wenig davon. Dem humoristischen Autoren sei Dank.