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Ines Balcik, Sprachblog

IB-Klartext: Werbe- und Wirtschaftslektorat ° Korrektorat ° Redaktion

Einträge aus der Kategorie: Unterhaltsam



Von Abbestellung bis YMMD

Das neue Jahr ist noch ganz frisch, aber ich kann an mein Sprachorakel aus dem alten Jahr schon eine Prognose anschließen. Sie lautet: Sprache ist geduldig. Deshalb werden wir uns auch im Jahr 2012 erfreuen an einer breiten Ausdruckspalette, die beim guten alten geschraubten Amtsdeutsch beginnt und im Kürzelrausch nicht endet. Hier zwei Fundstücke aus dem Dezember in einem Stil, von dem ich in meiner Naivität angenommen hatte, er sei in E-Mails und im Internet längst ausgestorben:
Amtsdeutsch
Amtsdeutsch

Das Gute an solchen Funden ist, dass sie ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Liebe unbekannte Verfasser dieser Zeilen: YMDD (you made my day).

 

Zum Jahreswechsel

Vielleicht erinnern sich einige noch an die Hitliste häufig falsch geschriebener Wörter, die ich vor Jahren gelegentlich im Sprachblog veröffentlicht habe. Nach fünf Jahren interessiere ich mich wieder einmal für den Silvesterabend.
Das Ergebnis: Das Internet ist gewachsen! 1.570.000 Treffer für den richtig geschriebenen Silvesterabend, 65.800 Treffer für den falsch geschriebenen Sylvesterabend.

Daraus schließe ich glasklar, dass die Rechtschreibkompetenz zugenommen hat. Jawohl, zugenommen! Denn während der Quotient aus richtiger/falscher Schreibweise Ende 2006 6,4 betrug, stieg er nun auf gewaltige 24,2. Der richtig geschriebene Silvesterabend ist also nicht nur absolut, sondern auch relativ inzwischen deutlich häufiger zu finden als vor fünf Jahren.

Deshalb fällt mein Sprachorakel für 2012, allen Unkenrufen der Sprachpessimisten zum Trotz, eindeutig positiv aus.

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Ersatz und Spiel

Feiertage laden zum gemütlichen Lesen ein. Dabei habe ich gerade zwei alte Bekannte wiedergetroffen, zwei deutsche Wörter in einem englischen Buch nämlich, und zwar in Little Bee von Chris Cleave.

Hier sind Schnappschüsse der beiden Fundstücke:
ersatzspiel
Im Buch wird sehr eindrucksvoll das Schicksal einer jungen Frau geschildert, die aus Nigeria nach England geflohen ist und doch ihrer Vergangenheit nicht entkommt. Die beiden Wörter wurden nicht entführt, sie sind einfach weit herumgekommen. Wie schön!

Münchner Weißwürscht

Ein Gastbeitrag von Elke Hesse, Wortgestalten

Als ich Danielas Beitrag zum Thüringer Weihnachtsgebäck las, musste ich unwillkürlich an den sprachlichen und kulinarischen Fauxpas denken, den ich vor vielen Jahren als frischgebackene Journalistenschülerin aus Nordrhein-Westfalen im ersten Monat in der bayerischen Landeshauptstadt beging. Mein Auftrag lautete, für die Journalistenschule eine mitreißende Reportage vom Aufbau des Oktoberfestes auf der Theresienwiese zu schreiben. Mal abgesehen davon, dass ich mich darüber wunderte, überhaupt keine Wiese vorzufinden, sondern einen größtenteils fest betonierten Platz, und dass ich darüber grübelte, wieso eigentlich jedes Jahr im September ein Fest beginnt, das den „Oktober“ im Namen trägt – schlich ich ansonsten mindestens anderthalb Stunden lang unter emsig arbeitenden Männern umher, die auf Gerüsten herumturnten, Bier tranken und sich mir unverständliche Sätze zuriefen. Ich traute mich nicht, auch nur einen von ihnen anzusprechen und zu interviewen, wie es sich für eine „gscheite“ Reportage gehört hätte.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als später einfach meine Reportage zu erfinden. Das fiel mir gar nicht mal so sonderlich schwer, Fantasie hatte ich. Peinlich war nur, dass unser Lehrer, ein bekannter SZ-Journalist, am nächsten Tag vor versammelter Klasse über unsere Reportagen urteilte. Meine in der Hand haltend, grinste er süffisant, meinte: „Es geht doch nichts über eine gute Recherche, vor allem, wenn die Reporterin von jenseits des Weißwurstäquators kommt“, und er zitierte genüsslich: „Über der ganzen Theresienwiese liegt der Duft von frisch gebratenen Weißwürsten.“ Grölendes Gelächter. Schenkelklopfen. Zum Teil aber auch ratlose Gesichter, so wie meines.

Münchner Weißwürscht
Foto: © Eva Brandecker

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Thüringer Weihnachtsgebäck

Ein Gastbeitrag von Daniela Dreuth, Wortakzente

Wenn eine Sprachwissenschaftlerin in einen anderen Dialektraum umzieht – selbst, wenn sie eigentlich Fremdsprachen studiert hat –, fühlt sie sich eine Weile wie im Paradies. Mir jedenfalls ging es so, als es mich vor Jahren von Mittelhessen nach Thüringen verschlug. Jeden Abend berichtete ich meinem Mann begeistert von meinen Entdeckungen: neuen Wörtern, „merkwürdigen“ Aussprachen, faszinierenden Redewendungen. Auch musste ich feststellen, dass meine Zuhörer durchaus nicht alles verstanden, was ich sagte, manches gar amüsant fanden, obwohl ich mir doch einbildete, halbwegs Hochdeutsch zu sprechen. Besondere Fallstricke boten Einkäufe, vor allem beim hier Fleischer genannten Metzger. Beispielsweise war ich leicht beleidigt, als gleich mehrere Fleischereifachverkäuferinnen sich vor Lachen kringelten, als ich einen „Kringel“ Fleischwurst verlangte.

Zum Jahresende musste ich feststellen, dass der Ausdruck „zwischen den Jahren“ den Thüringern nicht geläufig ist. Diese vergnügten sich an meinem verblüfften Blick, als ich erstmals eine Frau sagen hörte, sie müsse jetzt aber dringend damit anfangen, „Schittchen“ zu backen. Schittchen? Schitte ist das Wort, das wir als Kinder benutzten, um das damals noch streng verbotene andere Wort mit Sch… zu umgehen! Was sollte da wohl gebacken werden? Es stellte sich heraus, dass es sich um „eine Stolle“ handelte, andernorts als der Stollen geläufig. Aber woher dieser Name?

Thüringer Weihnachtsgebäck
Foto: © Eva Brandecker

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Orthografie
Die Rechtschreibreform hat in den letzten Jahren für sehr viel Wirbel gesorgt. Dabei geht es doch nur um Buchstaben, die so aneinandergereiht werden, dass auch andere lesen und verstehen können, was wir beim Schreiben ausdrücken wollen.
Oft haben wir sogar die sprichwörtliche Qual der Wahl, weil zwei Schreibweisen richtig sind.

Welches Wort gefällt Ihnen besser?
Richtig sind sowohl Orthografie mit f als auch Orthographie mit ph. Ich empfehle Ihnen die neuere Schreibweise mit f.

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